Kamerunreise vom 22.10. bis 12.11.2016 (Teil 3)

Teil 3, Von Maroua nach Ngaoundéré (31.10. bis 08.11.2016)

Hitze im November

Montag, 31.10.2016

Wieder sind wir einen Tag auf der Straße, sieben Stunden brauchen wir für die 370 km von Bamenda über Bafousam nach Yaoundé. Hans hat uns wieder gut um alle Schlaglöcher und sonstige Hindernisse gekurvt. Um 13 Uhr erreichen wir den Stadtrand der Hauptstadt Kameruns. Die letzten zehn Kilometer kosten dann noch einmal eine Stunde. Obwohl wir nicht in der Rushhour unterwegs waren, haben wir alleine dreißig Minuten gebraucht, um über eine Kreuzung zu kommen. Es herrscht Chaos! Da alle versuchen schneller voran zu kommen, stehen alle im Stau.

Endlich kommen wir wohlbehalten in unserer Unterkunft an. Nach einer kurzen Siesta sitzen wir bei einer Tasse Kaffee, als uns der kamerunische „Zwillingsbruder“ von Klaus besucht, Daniel Mbiwan kommt mit seiner Frau. Er und Klaus sind am gleichen Tag geboren.


Am Abend findet dann noch ein Treffen mit den für die medizinische Arbeit der kamerunischen Partnerkirche verantwortlichen Personen statt. Sie hören gespannt zu, welche Eindrücke wir aus Mamfe mitgebracht haben. Wir freuen uns, den neuen Leiter des medizinischen Werks kennen zu lernen und sein Pläne zu erfahren.

Dienstag, 01.11.2016

Wieder steht ein Reisetag bevor. Am frühen Morgen fliegen wir von Yaoundé über Douala nach Maroua. Am Zielflughafen werden wir von einem Kamerateam des staatlichen Fernsehsenders empfangen. Doch ihr Interesse gilt nicht uns, sondern dem mitgereisten Landwirtschaftsminister. Unser Empfang durch Auguste Sanda und Marguerite ist umso herzlicher. Auguste ist stellvertretender Vorsitzende von Lumière-Cameroun, unserem Partner in Maroua „Lumière-Cameroun“. Marguerite ist Klaus Frau. Beide leben und arbeiten in Maroua.

 

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Die für diese Jahreszeit ungewöhnliche Hitze empfängt und begleitet uns in Maroua. Der Wind gleicht einem Haarföhn. Sind das Auswirkungen des Klimawandels? Wir sehen Männer am Straßenrand die Hirse mit einfachen Stöcken dreschen. Marguerite erzählt, dass in diesem Jahr die Trockenzeit sehr früh eingesetzt hat, so dass die Ernte der Regenzeithirse in diesem Jahr mager ausfällt.  Die momentan hohen Temperaturen sind auch nicht gut für die Trockenzeithirse. Wir hoffen und beten, dass die Familien genug Hirse, das Grundnahrungsmittel in unserer Region ernten können und dass eine Hungersnot ausbleibt.


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Maroua liegt Mitten in der Sahelzone. Unsere ersten Eindrücke von dieser Stadt sind: Die heiße und extrem trockene Luft ist gewöhnungsbedürftig. Der Mund ist voller Staub. Das verdorrte Gras und Gestrüpp, das wir auf der Fahrt vom Flughafen in die Stadt sehen, macht die Umgebung ein wenig trist. Dafür beeindrucken die viele Allen in Maroua. Nicht zu unrecht wird Maroua von vielen Menschen als die schönste Stadt Kameruns bezeichnet. Fast an jeder Straßenecke befinden sich Moscheen. Die Kleidung der Menschen in dieser muslimisch geprägten Stadt unterscheidet sich sehr von der Kleidung in Europa.

Mittwoch, 02.11.2016

Zu Beginn des Jahres hat unser Partner Lumière-Cameroun in Maroua ein Grundstück gekauft und AFRIKA-Projekte e.V. hat hierfür die Mittel zur Verfügung gestellt. Jetzt haben wir die Ehre, an der Grundsteinlegung für den Bau des Vereinssitzes teilzunehmen. Bis Mai 2017 sollen auf dem Grundstück ein Saal für die Alphabetisierung, eine Werkstatt für die Ausbildung von Frauen im Schneiderhandwerk mit den dazugehörigen Nebenräumen entstehen (siehe auch: www.bausteine-fuer-kamerun.de).

Uli legt mit Hilfe des Unternehmers den Grundstein und bittet Gott das Projekt und Lumière-Cameroun zu segnen.


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Danach beginnen sofort starke Männer, den Brunnen mit der Hand zu bohren. In welcher Tiefe sie wohl auf Wasser stoßen werden?

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Danach besuchen wir noch eine Klinik in der Nähe, die vor über 50 Jahren von europäischen Missionaren gegründet wurden (siehe auch: www.sahel-life.org). Die Klinik ist seit zwei Jahren fest unter einheimischer Leitung und wir konnten uns von dem regen Konsultations- und Krankenhausbetrieb überzeugen. Die Geburtenstation ist wegen einer gerade laufenden, staatlich geförderten Impfaktion regelrecht überfüllt.

Donnerstag, 03.11.2016

Der Besuch der von Lumière-Cameroun unterstützen Dörfer war aus Sicherheitsgründen nicht möglich. Dafür haben 21 Frauen den zum Teil langen und beschwerlichen Weg auf sich genommen, um uns in Maroua zu treffen. Freudig und stolz berichten sie über ihre Arbeit, was sie erreicht haben und was sie derzeit bewegt.

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Vielerorts bremst der enorme Aufwand zu Wasserholen die Frauen in ihrer Möglichkeit an den Kursen teilzunehmen. Die beiden Gruppen in Palbara und Godola-Hardé wünschen sich schon seit langen einen Brunnen im Dorf und haben bereits einen Teil der Kosten gespart. AFRIKA-Projekte konnte jetzt die freudige Nachricht überbringen, dass der große Rest der Kosten zur Verfügung gestellt wird und dass die Arbeiten bald beginnen können. Unter den anwesenden Frauen der beiden Gruppen bricht große Freude aus.

Freitag, 04.11.2016

Wir nutzen die Möglichkeit, zwei Frauengruppen in der Nähe von Maroua zu besuchen.

Die kleine Gruppe in Gayak überzeugt uns durch ihre Eigeninitiative. Sie haben ohne Unterstützung von Lumière-Cameroun einen Hühnerstall gebaut und wollen mit dem Erlös der Hühnermast die Kosten für die Alphabetisierung erwirtschaften.

In dem Dorf Godola begrüßen uns die beiden Gruppen aus Godola-Hardé und aus Godola-Hosséré mit einem fröhlichen Willkommenslied. Beeindruckend ist nicht nur die Gruppengröße mit über 150 Frauen sondern auch ihre einheitliche Kleidung, die die Identifikation mit ihrer Gruppe anschaulich darstellt.

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Zurück in Maroua besuchen wie die Schneiderwerkstatt und die Alphabetisierungsklassen. Nach nur sechs Woche in der Ausbildung nähen die Auszubildenden bereits Kinderkleider. Bei diesem Lerntempo werden sie wohl in neun Monaten ihr Zertifikat erhalten.

Voller Spannung fahren wir zu Brunnenbaustelle. Ob sie wohl auf Wasser gestoßen sind? Tatsächlich, nach 21 Meter war das Bohren mit der Hand erfolgreich. Die Pumpe wird für uns angestellt und schon sprudelt nach kurzer Zeit frisches, klares Wasser. Auch die Baustelle brummt: Die Gebäude sind abgesteckt, die Fundamenten werden ausgehoben und die Produktion von Hohlblocksteinen läuft auf vollen Touren. Bei einer so gut organisierten Baustelle können wir uns frohen Mutes aus Maroua verabschieden.

Samstag, 05.11.2016

Wieder steht ein Reisetag bevor. Die fast 500 Kilometer lange Busfahrt von Maroua bis Ngaoundéré ist eine Herausforderung. Wir starten drei Stunden später als geplant, dafür dauert die Fahrt „nur“ zehn Stunden. Doch Gott sein Dank, wir kommen gut an. Müde und erschöpft holt uns die befreundete, südkoreanische Missionarin Jihyai Seo, die wir besuchen wollen, am Busbahnhof ab.

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Sonntag, 06.11.2016

Nach dem Gottesdienst zeigt uns Jihyai ihr beeindruckendes Werk: Die missionarische Arbeit der Studentengruppe finanziert sich mittlerweile selbst. Das „glückliche Waisenhaus“ mit 26 Kindern macht seinem Namen alle Ehre. Die Grundschule wächst und erhält Dank ihrer hervorragenden Leistungen – alle Schüler haben sich für die Sekundarschule qualifiziert – eine Zuwendung des Staates. Jihyais Arbeit beschränkt sich nicht nur auf die große Stadt Ngaoundéré sondern fünf Dörfer in der Umgebung werden intensiv geistlich und medizinisch betreut. Wir wünschen Jihyai, die dieses Werk alleine leitet, viel Kraft sowie Gottes Beistand und Segen. Wir jedenfalls finden, dass auch diese Arbeit die Unterstützung von AFRIKA-Projekte verdient.


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Montag, 07.11.2016

Es heißt Abschied nehmen, nicht nur von Jihyai. Gunda, Tina, Uli und Hans fahren mit dem Bus um 6:30 Uhr ab. Sie kommen nach 16 Stunden (!) Fahrt und 850 Kilometer wohlbehalten und müde in Yaoundé an. Klaus winkt ihnen nach. Er macht sich in die entgegengesetzte Richtung auf den Heimweg nach Maroua, wo er nach „schnellen“ 9,5 Stunden von Marguerite abgeholt wird.